|
Nach der vorläufigen botanischen Untersuchung durch Dr. Reinder Neef ist hauptsächlich Gerste eingelagert worden. In einer Silokammer lag Einkorn. Häufig und für die botanische Auswertung von besonderem Interesse sind Samen von anderen Nutzpflanzen und Ackerunkräutern, die mit der Getreideernte zusammen in die Silos gelangt sind. Wie die Sondagen und Kernbohrungen gezeigt haben, liegen hier viele hundert Tonnen verkohltes Getreide begraben; dies ist wohl der größte Fund dieser Art im Alten Orient. Aber auch die Dimension des Silokomplexes - länger als ein Fußballfeld und mehr als halb so breit - ist mehr als ungewöhnlich. Abhängig von der Füllhöhe in den Kammern konnten hier 7.000-9.000 m³ Getreide dauerhaft eingelagert werden. Diese Menge entspricht dem jährlichen Bedarf von 20.000-30.000 Menschen, und es erscheint klar, daß dies nicht nur der Vorrat für die Stadt Hattuscha war - hier lagerte ein Teil des Staatsschatzes und der Machtbasis des hethitischen Großkönigs.
Gewisse Anzeichen sprechen dafür, daß der vom Feuer verschonte Teil des Silokomplexes noch eine Zeit lang weiter benutzt worden ist, bevor seine Rolle dann vollständig von den großen Erdsilos auf Büyükkaya (s. Forschungsbericht Büyükkaya ) übernommen worden ist.
Publikation
Bogazköy-Berichte 8: Jürgen Seeher (Hrsg.), Ergebnisse der Grabungen an den Ostteichen und am mittleren Büyükkale-Nordwesthang in den Jahren 1996-2000, mit Beiträgen von Ayse Baykal-Seeher, Hermann Genz, Suzanne Herbordt und Jürgen Seeher (Mainz 2006)
|