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Kammer 2, Hieroglyphenkammer

Bei der Südburg in der östlichen Oberstadt konnten zwei aus großen Kalksteinblöcken gesetzte Kammern rekonstruiert werden.

 

Während Kammer 1 schmucklos ist, zeigt Kammer 2 im Inneren verschiedene sehr gut erhaltene Reliefdarstellungen: An der Rückwand ist mit langem Mantel, Schnabelschuhen und einem gebogenen Stab in der linken Hand ein Sonnengott dargestellt, kenntlich an der doppelten Flügelsonne über dem Kopf.

Als Lebensspender trägt er das leicht abgewandelte ägyptische Lebens-Symbol Ankh in der rechten Hand.

Kammer 2 in der östlichen Oberstadt

Reliefdarstellung eines Sonnengottes aus Kammer 2

An der linken Wand beim Eingang ist Schupiluliuma II., der letzte bekannte Großkönig von Hattuscha und Erbauer der Kammer, dargestellt. Er tritt als Krieger auf im kurzen Rock mit einem Schwert im Gürtel und einer Lanze in der rechten Hand; über der linken Schulter trägt er einen Bogen. An den Füßen erkennt man Schnabelschuhe, und auf dem Kopf trägt er die typische Spitzmütze der Götter, mit drei Hörnern auf der Vorderseite. Man nimmt an, daß sich der Großkönig hier schon vergöttlicht hat darstellen lassen, obwohl er noch aktiv war, wie die gegenüberliegende Wand zeigt.

Dort ist eine sechszeilige Inschrift mit luwischen Hieroglyphen eingemeißelt. Luwische Hieroglyphen sind eine in Anatolien entwickelte Bilderschrift, die mit der ägyptischen Hieroglyphenschrift nichts zu tun hat. Der Inhalt der Inschrift ist zwar noch nicht vollständig verständlich, aber das Wesentliche ist bekannt: Großkönig Schupiluliuma berichtet, daß er mit der Unterstützung diverser Götter mehrere Länder erobert hat, daß er neue Städte gegründet und an verschiedenen Orten den Göttern geopfert hat. Der letzte Satz lautet: "Hier baute ich in diesem Jahr einen göttlichen Erde-Weg". Das ist die Bau-Inschrift, mit der die Bestimmung der Kammer angegeben ist: Gemeint ist ein Weg, der in die Erde führt, ein Weg in den Untergrund. Vielleicht war die Kammer gedacht als ein symbolischer Eingang in die Unterwelt.

Die Hieroglypheninschrift von Kammer 2