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Tempel 1 mit Magazinen

 

Tempel 1, der auch der Große Tempel genannt wird, wurde in der Großreichszeit genutzt, möglicherweise aber schon früher errichtet. Er mißt 65 x 42 m und ist das größte Gebäude im Stadtgebiet von Hattuscha. Zusammen mit den großem Magazintrakten, die ihn auf allen Seiten umgeben, bedeckt er eine Fläche von rund 14.500 m² .
Gut zu erkennen sind überall die bis zu 1,5 m Höhe erhaltenen Wandsockel aus sauber bearbeiteten Kalksteinblöcken. Einzelne Blöcke sind bis zu 5 m lang und wiegen 20 Tonnen und mehr. Die eigentlichen Wände sind nicht erhalten geblieben, denn sie bestanden - wie bei allen Gebäuden der hethitischen Stadt - aus einem massiven Aufbau aus Holzbalken und Lehmziegeln. Das Dach des Großen Tempels war flach und bestand aus einer Holzbalkendecke, die mit einer Lehmschicht versiegelt war.

 

Tempel 1, der Große Tempel, das Zentrum der Unterstadt

Rekonstruktion der Tempelanlage: Tempelbau (rot), Magazintrakte (gelb), "Haus der Arbeitsleistung" (grün) (nach W.Schirmer)

 

Der große Innenhof des Tempels war nicht überdacht, aber von hohen Wänden umgeben und einst mit großen Steinplatten gepflastert. Wie man aus den hethitischen Texten weiß, fand ein Großteil der Kulthandlungen in den Tempelhöfen statt - mit etwas Phantasie kann man sich die Zeremonien und Prozessionen vorstellen: Ein Gedränge von bunten Gewändern, Fahnen und Standarten, und die Luft erfüllt von Gesängen, Musik und Weihrauch. Die Beschreibungen von Kulthandlungen auf den hethitischen Keilschrifttafeln berichten ausführlich über solche Veranstaltungen.

An der NO-Seite des Hofes lagen die eigentlichen Kulträume, das Allerheiligste. Da es zwei Kulträume gab, war dieser Bau als Doppeltempel offensichtlich zwei Gottheiten gewidmet - vermutlich den höchsten Gottheiten des Landes, dem Wettergott von Hatti und der Sonnengöttin von Arinna. Hier hatten nur König und Königin als Oberste Priester des Landes sowie einige weitere Tempelpriester Zugang.

Die übrigen Räume des Tempels dienten vielleicht teilweise anderen Kulthandlungen, aber auch als Aufenthaltsräume für Priester (Sakristei) und Aufbewahrungsort für Kultutensilien. Leider waren sie vollständig leer bei ihrer Entdeckung. Ebenfalls weitgehend leer waren die 82 ebenerdigen Räume in den großen Magazintrakten, die den Tempel außen umgeben. Einziges Inventar bildeten riesige, in den Boden eingelassene Vorratsgefäße aus Ton, von denen noch einige an Ort und Stelle zu sehen sind.

Große Vorratsgefäße standen in den Tempelmagazinen

 

Keilschrifttafel

In den langgestreckten Räumen an der Nordwestseite des Tempels fand man die Überreste von Hunderten dieser Gefäße. Sie hatten ein Fassungsvermögen von bis zu 1750 l und dienten zur Lagerung von Tempelvorräten, darunter sicher Getreide, Hülsenfrüchte, Öl und Wein. In Magazinräumen auf der entgegengesetzten Seite des Tempels fand man dagegen Tausende von Keilschriftafeln, die dort ursprünglich in einem Archiv mit Holzregalen aufgestellt waren.