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Das hethitische Felsheiligtum von Yazılıkaya

Yazılıkaya liegt an einem Berghang außerhalb des Stadtgebiets. Im Gegensatz zu den Tempelbauten in der Stadt handelt es sich hier um ein Heiligtum, dessen zwei Kulträume (Kammer A und B) unter freiem Himmel lagen, eingerahmt von bis zu 12 m hohen Felsklippen. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. war der Ort in Benutzung, aber wohl erst im 13. Jahrhundert v. Chr. haben hier hethitische Künstler lange Reihen von Göttern und Göttinnen in die Felsen gemeißelt. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um das "Neujahrsfesthaus", das Haus des Wettergottes, in dem sich zum Neujahrs- und Frühlingsfest alle Götter vereinigten.

 

Das eigentliche Felsheiligtum wurde nach außen durch einen größeren Baukomplex abgeschirmt. Nur noch die Fundamentsockel sind erhalten, aber wie die Rekonstruktionszeichnung zeigt, gab es auch hier die typischen Lehmziegelwände mit Holzfachwerk und flachen Dächern. Durch diesen Baukomplex gelangte man in die große Kammer A. Dort waren auf beiden Seiten Reliefs in fortlaufenden Bändern in die Kalksteinwände gemeißelt.

 

Dargestellt sind hier auf der linken Seite männliche Gottheiten (mit zwei Ausnahmen) und auf der rechten Seite weibliche Gottheiten. Sie sind alle in einer Richtung orientiert und scheinen auf die hintere Wand der Kammer zuzugehen, wo folgerichtig die Hauptszene angebracht ist - hier begegnen sich als Anführer der Götterprozessionen die höchsten Gottheiten, der Wettergott und die Sonnengöttin.

 

 

Die männlichen Gottheiten sind meist mit kurzem Rock und Spitzmütze dargestellt. Alle tragen Schnabelschuhe, und nicht wenige sind bewaffnet mit einem sichelförmig gebogenen Schwert oder mit einer Keule, die sie über der Schulter tragen. Die weiblichen Gottheiten tragen dagegen lange Faltenröcke, Schnabelschuhe, Ohrringe und auf dem Kopf hohe Hüte. Individuelle Attribute fehlen fast völlig.

 

Die größte Relieffigur in diesem Heiligtum ist an der Wand gegenüber von der Hauptszene angebracht, am Ende des Zugs der weiblichen Gottheiten. Hier ist bezeichnenderweise kein Gott, sondern Großkönig Tudhaliya IV. dargestellt - in gebührendem Abstand, aber genau gegenüber der Hauptszene an der Rückwand, so als ob er den obersten Gottheiten seine Referenz erweisen wollte. Man vermutet auch aus diesem Grund, daß dieser Großkönig für die endgültige Ausgestaltung des Heiligtums von Yazılıkaya um die Mitte des 13. Jahrhunderts. v. Chr. verantwortlich ist.

 

In der kleinen Nebenkammer B befinden sich weitere Reliefs, die sehr viel besser erhalten sind, weil sie erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts freigegraben worden sind:

 

 

An der vom Eingang her rechts gelegenen Wand befindet sich ein Relief mit einer Reihe von Unterweltsgöttern, zwölf gleichartige männliche Gestalten mit Hemd, Gürtel, kurzem Rock und Schnabelschuhen. Auf der Schulter tragen sie jeweils ein Sichelschwert, und die gehörnten Spitzmützen weisen sie als Götter aus.

Auf der gegenüberliegenden Wand ist in einem Relief Großkönig Tudhaliya IV. gezeigt, wie er von seinem persönlichen Schutzgott Scharrumma umarmt und geleitet wird.

Ein zweites Relief zeigt den Unterweltsgott Nergal, der sich aus dem Griff eines senkrecht stehenden Schwertes erhebt. Und als dritte Reliefdarstellung ist hier außerdem noch eine Kartusche mit Namen und Titulatur des Großkönigs Tudhaliya IV. angebracht. Unter anderem wegen der zweifachen Nennung dieses Königs nimmt man an, daß sein Sohn Schupiluliuma II. diese Kammer als Gedenkstätte für seinen verstorbenen Vater Tudhaliya IV. einrichten ließ.